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FACT SHEET zu den drei VN-Organisationen in Rom

Artikel

Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick: Informieren Sie sich über die drei VN-Organisationen in Rom.

Logos FAO, IFAD, WFP
Logos FAO, IFAD, WFP © UN

Globale Problematik

  • Bevölkerungsentwicklung: Bis 2050 wird die Weltbevölkerung auf knapp 10 Mrd. Menschen anstiegen, dies bedarf einer Steigerung der Nahrungsmittelproduktion um 50%.
  • Bekämpfung extremer Armut (SDG 1): 736 Mio. Menschen leben aktuell unterhalb der extremen Armutsgrenze (USD 1,90 pro Tag), 80% davon in ländlichen Gebieten.
  • Ernährungsunsicherheit (SDG 2): 821 Mio. Menschen gelten als chronisch hungernd (Zunahme um 37 Mio. seit 2014, d.h. wieder auf dem Stand von vor 10 Jahren). Um „Zero Hunger“ bis 2030 zu erreichen bedarf es Investitionen i.H.v. USD 180 Mrd. p.A. in ländliche Gebiete, davon allein 2/3 in den landwirtschaftlichen Bereich. 
  • Klimaresilienz: USD 463 Mrd. werden jährlich in Klimaaktivitäten investiert, davon allerdings lediglich USD 22 Mrd. in den Bereich sektorale Klimaanpassung.
  • Soziologische Indikatoren: Die meisten der in ländlichen Regionen lebenden extrem Armen bestreiten ihr Einkommen mit landwirtschaftlicher Tätigkeit. Die Landwirtschaft ist der weltweit größte Erwerbssektor und bietet gegenwertig 40% der Weltbevölkerung ein „Broterwerb“. 47% der Arbeitskraft wird von Frauen gestellt. 90% Prozent der Farmen sind Familienbetriebe. 500 Mio. dieser kleinbäuerlichen Betriebe produzieren rund 80% der weltweiten Nahrung. 60% der jungen Afrikaner unter 25 Jahren sind arbeitslos. 2050 wird es in Sub Sahara Afrika mehr Jugendliche geben als in irgendeiner der anderen Weltregionen und 70% der globalen Zunahme an Arbeitskraft wird bis dahin in Afrika angesiedelt sein.

L3 – Krisenländer

(Länder mit der Einstufung „L3“ oder „Level 3“ sind die schwersten Notfälle des Klassifizierungssystems des World Food Programme für globale Krisen.)

  • Jemen: Größte globale humanitäre Krise, 20 Mio. Menschen sind von Nahrungsunsicherheit betroffen, davon rd. 10 Mio. stark gefährdet. WFP weitet derzeit Kapazitäten aus, mit dem Ziel 12 Mio. Menschen zu versorgen.
  • Syrien und Nachbarländer: Innerhalb Syriens sind rd. 6,7 Millionen Menschen von Ernährungsunsicherheit betroffen. WFP hat in den vergangenen Monaten jeweils 3 – 3,6 Mio. Menschen unterstützt. In den Nachbarländern Ägypten, Irak, Jordanien, Libanon und Türkei unterstützt WFP rd. 3 Mio. Menschen.
  • Süd Sudan: Für fast 7 Mio. Menschen (60% der Bevölkerung) gibt es keine sichere Nahrungsversorgung. WFP hat in den vergangen Monaten jeweils 2-3 Mio. Menschen versorgt.
  • Nigeria: Im Nordosten des Landes haben 2,7 Mio. Menschen keinen sicheren Zugang zu Nahrung, rd. 440.000 Kinder unter 5 Jahren sind stark unterernährt. WFP hat in den vergangenen Monaten jeweils 700.000 – 1 Mio. Menschen unterstützt.
  • DR Kongo: Rd. 13 Mio. Menschen sind von Ernährungsunsicherheit betroffen, rd. 2,2 Mio. Kinder unter 5 Jahren sind stark unterernährt. WFP unterstützt rd. 1 Mio. Menschen.
  • Sahel: In Burkina Faso, Mali und Niger sind 2,4 Mio. Menschen von Ernährungsunsicherheit betroffen, 5 Mio. benötigen Lebensmittelhilfe. WFP plant mit der Unterstützung von 2,1 Mio. Betroffenen.

WFP

Herausforderung: Das Welternährungsprogramm (engl. „World Food Programme“) ist der größte humanitäre Akteur im UN-System und bildet das logistische Rückgrat des internationalen humanitären Systems.. WFP unterstützt 87 Mio. Menschen in 83 Ländern mit 15 Mrd. Essensrationen jährlich.

Neben der humanitären Ernährungshilfe setzt WFP maßgeblich auf den Ausbau der lokalen Resilienz, um präventiv die Auswirkungen von Naturkatastrophen und Schocks für die Bevölkerung zu verringern.

Neben der direkten Lieferung von Nahrungsmitteln setzt WFP im Bereich Ernährungshilfe vermehrt auf Verteilung von Gutscheinen und Bargeldtransfers an die lokale Bevölkerung (USD 2,1 Mrd. , 37,6% der gesamten WFP - Ernährungshilfe WFPs).Dies hat den Vorteil, dass die Empfänger so essentielle Güter im heimischen Markt selbst erwerben können und die ansässige Wirtschaft stärken.

Primäres Ziel ist es, die Lebensmittelversorgung von notleidenden Menschen zu gewährleisten und gleichzeitig Unterernährung vorbeugend zu bekämpfen. Der Fokus liegt hierbei auf der Unterstützung von Bedürftigen in Krisenregionen, zwei Drittel der Arbeit wird in Ländern mit akuten Konflikten ausgeübt. Unterstützend bei der Erfüllung der Missionen wirkt die Logistikabteilung, die täglich 5600 LKW, 92 Flugzeuge und 20 Frachtschiffe bewegt.

Deutschland als Geber: Allein im Jahr 2019 beteiligte sich die Bundesregierung mit USD 886,5 Mio. an der Mandatserfüllung von WFP, dies macht Deutschland zum zweitgrößten bilateralen Geber der Organisation. Ebenfalls stark engagiert zeigte sich die Europäische Kommission mit Beitragszahlungen i.H.v. USD 685,9 Mio.

FAO

Herausforderung: Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (engl. „Food and Agriculture Organization“) ist die größte Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Ihre Ziele liegen in der weltweiten  Bekämpfung von Hunger und Armut, der Stärkung landwirtschaftlicher Produktion und ländlicher Entwicklung sowie Förderung nachhaltiger Ressourcenbewirtschaftung. Die FAO zählt 194 Mitgliedstaaten. Ihr reguläres Budget beträgt rd. USD 500 Mio./Jahr.

Schwerpunktthemen: Das Recht auf Nahrung und andere Strategien zur nachhaltigen Ernährungssicherung, Die Freiwilligen Leitlinien für die verantwortungsvolle Verwaltung von Boden- und Landnutzungsrechten, Fischgründen und Wäldern, Unterstützung nachhaltiger Erzeugung und standortangepasster Produktionsmethoden, Bedeutung der Bioenergie für die Ernährungssicherung, Bekämpfung von Unter- und Mangelernährung, Ernährungssysteme.

Deutschland als Geber: Die Bundesrepublik ist viertgrößter Beitragszahler der FAO mit einem Volumen von rd. USD 29 Mio./Jahr. Darüber hinaus erhält die FAO jährlich freiwillige Zuwendungen in Höhe von rd. USD 950 Mio. Auch Deutschland stellt der FAO freiwillige Mittel zur Verfügung: Seit 2002 hat Deutschland rund 142 Millionen Euro für insgesamt 118 FAO Projekte über einen Bilateralen Treuhandfonds gezahlt. Ziel der freiwillig geförderten Projekte ist es, Staaten bei der Sicherung einer qualitativ und quantitativ ausgewogenen Ernährung jedes einzelnen Menschen zu unterstützen.

IFAD

Herausforderung: Der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (engl. „International Fund for Agricultural Development“) ist ebenfalls eine VN-Sonderorganisation mit 177 Mitgliedsstaaten und weltweit die einzige internationale Finanzinstitution, welche ausschließlich das Mandat hat, kleinbäuerliche Landwirtschaft zu fördern.

Seit Gründung 1977 wurden insgesamt USD 20,8 Mrd. zinsgünstige Kredite, Zuschüsse und Beratung an EL vergeben und dabei USD 31,9 Mrd. in Form von Kofinanzierungen und Eigenbeiträgen der Empfängerländer mobilisiert.

Das Programmportfolio  2019-2021 (= IFAD 11) umfasst USD 3,5 Mrd. Mehr als die Hälfte der Zusagen gehen nach Afrika und 53 % in fragile Staaten.

Primäres Ziel ist es, durch Innovation, Infrastruktur, Vernetzung und Empowerment der ländlichen, insbes. jungen Bevölkerung eine nachhaltige Lebensperspektive und eine gesicherte Ernährung zu verschaffen.

Im Jahr 2018 wurden 2,6 Millionen Menschen in Anbaumethoden geschult; 3,11 Millionen Hektar Anbaufläche wurden besser bewirtschaftet; 8.645 Kilometer Straßen wurden gebaut, bzw. ausgebessert; 163.637 Mikrounternehmen erhielten Zugang zu Wirtschaftsförderung; Frauen und junge Menschen stehen besonders im Fokus. Der Anteil der Nutzerinnen liegt bei 50%.

Schwerpunktthemen: IFAD setzt insgesamt Schwerpunktthemen, die unsere politische Prioritäten klar unterstützen: Klima, Ernährung, Jugendbeschäftigung im ländlichen Raum und Gender.

Deutschland als Geber: Deutschland ist einer der größten Geber des Fonds.

DEU Kernbeitrag: 63,206 Mio. Euro, zusätzlich Projektfinanzierungen z.B. zum Themenbereich Klima (20 Mio. Euro) oder Jugend (10 Mio. Euro)  und hochvolumige Darlehen über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Stand: April 2020

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