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FACT SHEET zu den drei VN-Organisationen in Rom

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Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick: Informieren Sie sich über die drei VN-Organisationen in Rom.

Logos FAO, IFAD, WFP
Logos FAO, IFAD, WFP © UN

Globale Problematik

  • Bevölkerungsentwicklung: Bis 2050 wird die Weltbevölkerung auf knapp 10 Mrd. Menschen  anstiegen, dies bedarf einer Steigerung der Nahrungsmittelproduktion um 50%.
  • Bekämpfung extremer Armut (SDG 1): 736 Mio. Menschen leben aktuell unterhalb der extremen Armutsgrenze (USD 1,90 pro Tag), 80% davon in ländlichen Gebieten.

    Nach 25 Jahren sinkender extremer Armut steigt diese wieder und es wird geschätzt, dass zusätzlich rund 100 Millionen Menschen in der Folge von COVID19 hinzugekommen sind.

  • Ernährungsunsicherheit (SDG 2): 821 Mio. Menschen gelten als chronisch hungernd (Zunahme um 37 Mio. seit 2014, d.h. wieder auf dem Stand von vor 10 Jahren).

    Um „Zero Hunger“ bis 2030 zu erreichen bedarf es Investitionen i.H.v. USD 180 Mrd. p.A. in ländliche Gebiete, davon allein 2/3 in den landwirtschaftlichen Bereich.

    3 Milliarden Menschen können sich keine gesunde Ernährung leisten.

  • Klimaresilienz: 2017/18 gingen weniger als 2% der Klimafinanzierungsmittel an kleinbäuerliche Produzenten und ihre Gemeinschaften, die 95% der landwirtschaftlichen Betriebe auf der Welt betreiben.

    Jährliche Klimaanpassungskosten in Entwicklungsländern werden auf 140-300 Mrd. USD pro Jahr bis 2030 geschätzt, während Klimafinanzierungsmittel bisher weitgehend (Verhältnis 18:1) auf Klimafolgenminderung ausgerichtet sind.

    USD 463 Mrd. werden jährlich in Klimaaktivitäten investiert, davon allerdings lediglich USD 22 Mrd. in den Bereich sektorale Klimaanpassung.

    Bei der Analyse der Klimaauswirkungen auf die Grundnahrungsmittel-Produktion in acht afrikanischen Ländern kommt ein IFAD-Bericht zu dem Schluss, dass sie bis zu 80% bis 2050 durch Klimaveränderungen einbüßen könnten.

  • Die Relevanz kleinbäuerlicher Landwirtschaft:

    Etwa 95% der landwirtschaftlichen Betriebe auf der Welt arbeiten auf weniger als 5 ha Land.

    Es wird geschätzt, dass diese Kleinbauern und Kleinbäuerinnen bis zu ein Drittel der weltweiten Nahrungsmittel und 80% der Nahrung in Asien und Subsahara Afrika produzieren.

    Der Beitrag des Landwirtschaftssektors zum BIP in dieser Region liegt bei 15%.

    52% der Arbeitsplätze in Niedrigeinkommensländern in Afrika und 40% der Beschäftigung in Südasien ist in der Landwirtschaft.

    Und von den 1,7 Milliarden Frauen in Entwicklungsländern arbeiten 60% allein in Südasien und Sub-Sahara-Afrika in der Landwirtschaft und sind nicht nur weiter von bestehenden Problemen wie Zugang zu Land, Krediten und Dienstleistungen, sondern auch überproportional stark von den Auswirkungen des Klimawandels und der COVID19-Pandemie betroffen.

    Gleichzeitig sind sie der Schlüssel zu Verbesserungen; Studien zeigen, dass Frauen, wenn sie den gleichen Zugang zu produktiven Ressourcen wie Männer hätten, die landwirtschaftliche Rendite um 20-30% und die Produktion um 2,5-4% erhöhen und damit 100-150 Millionen Menschen vom Hunger befreien könnten.

    Die meisten der in ländlichen Regionen lebenden extrem Armen bestreiten ihr Einkommen mit landwirtschaftlicher Tätigkeit.

    Die Landwirtschaft ist der weltweit größte Erwerbssektor und bietet gegenwertig 40% der Weltbevölkerung einen „Broterwerb“.

    47% der Arbeitskraft wird von Frauen gestellt.

    90% Prozent der Farmen sind Familienbetriebe.

    500 Mio. dieser kleinbäuerlichen Betriebe produzieren rund 80% der weltweiten Nahrung.

    60% der jungen Afrikaner unter 25 Jahren sind arbeitslos.

Die größten humanitären Krisen

  • Afghanistan: 22.8 Mio. Menschen sind von Nahrungsunsicherheit betroffen, 8.7 Mio. von ihnen in Notfallsituation. WFP operiert in allen Provinzen des Landes und plant dieses Jahr, 23 Mio. Menschen zu erreichen.
  • Jemen: 17.4 Mio. Menschen sind von akuter Nahrungsunsicherheit betroffen, davon 5.6 Mio. stark gefährdet und 31.000 bereits in Hungersnot.
  • Ukraine: WFP plant, 3.1 Mio. Menschen innerhalb der UKR und von 200.000 Menschen in den Nachbarländern mit massiver Lebensmittelhilfe zu erreichen.
  • Syrien und Nachbarländer: Innerhalb Syriens sind rd. 12.4 Millionen Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen, 1.3 Mio. on ihnen in Notfallsituation. WFP hat in den vergangenen ca. 5 Mio. Menschen unterstützt. In den Nachbarländern Ägypten, Irak, Jordanien und Libanon unterstützt WFP ca. 1 Mio. syrische Flüchtlinge.
  • Süd Sudan: 8.3 Mio. Menschen (75% der Bevölkerung) sind akut unterernährt. WFP hat in den vergangenen Monaten jeweils 2-3 Mio. Menschen versorgt.
  • Nigeria: Im Nordosten des Landes sind 8.7 Mio. Menschen akut unterernährt, 4.4 Mio. von ihnen sind vollkommen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. WFP hat in den vergangenen Monaten jeweils 1 Mio – 1.5 Mio. Menschen unterstützt.
  • DR Kongo: Rd. 27 Mio. Menschen sind von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen, rd. 3.4 Mio. Kinder unter 5 Jahren sind stark unterernährt. Es ist die größte Hungerkrise Afrikas. WFP unterstützt rd. 6 Mio. Menschen.
  • Sahel: In Burkina Faso, Mali und Niger sind 6,4 Mio. Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen, 14.4 Mio. benötigen Lebensmittelhilfe. WFP plant mit der Unterstützung von 8.4 Mio. Betroffenen.
  • Haiti: ca. 1 Mio. Menschen sind akut unterernährt, fast die halbe Bevölkerung hat nicht genug zu essen. WFP plant, 1.5 Mio. Betroffene zu erreichen.
  • Madagaskar: Im südlichen Madagaskar benötigen fast 1.5 Mio. Menschen dringende Nahrungsmittelhilfe. WFP plant, 1 Mio. von ihnen zu erreichen.

WFP

Herausforderung: Das Welternährungsprogramm (engl. „World Food Programme“) ist der größte humanitäre Akteur im UN-System und bildet das logistische Rückgrat des internationalen humanitären Systems. WFP unterstützte letztes Jahr 128 Mio. Menschen in 88.

Neben der humanitären Ernährungshilfe setzt WFP maßgeblich auf den Ausbau der lokalen Resilienz, um präventiv die Auswirkungen von Naturkatastrophen und Schocks für die Bevölkerung zu verringern.

WFP erreicht die Begünstigten durch  direkte Lieferung von Nahrungsmitteln und durch Verteilung von Gutscheinen und Bargeldtransfers (USD 3,3 Mrd. , 45% der gesamten WFP - Ernährungshilfe WFPs ). Letzteres hat den Vorteil, dass die Empfänger so essentielle Güter im heimischen Markt selbst erwerben können und die ansässige Wirtschaft stärken.

Primäres Ziel ist es, die Lebensmittelversorgung von notleidenden Menschen zu gewährleisten und gleichzeitig Unterernährung vorbeugend zu bekämpfen. Der Fokus liegt hierbei auf der Unterstützung von Bedürftigen in Krisenregionen, zwei Drittel der Arbeit wird in Ländern mit akuten Konflikten ausgeübt. Unterstützend bei der Erfüllung der Missionen wirkt die Logistikabteilung, die täglich 5600 LKW, 100 Flugzeuge und 30 Frachtschiffe bewegt.

Deutschland als Geber: Allein im Jahr 2021 beteiligte sich die Bundesregierung mit mehr als USD 1.4 Mrd.  an der Mandatserfüllung von WFP, dies macht Deutschland zum zweitgrößten bilateralen Geber der Organisation. Ebenfalls stark engagiert zeigte sich die Europäische Kommission mit Beitragszahlungen i.H.v. USD 498 Mio.

FAO

Herausforderung: Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (engl. „Food and Agriculture Organization“) ist die größte Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Ihre Ziele liegen in der weltweiten Bekämpfung von Hunger und Armut, der Stärkung landwirtschaftlicher Produktion und ländlicher Entwicklung sowie Förderung nachhaltiger Ressourcenbewirtschaftung. Die FAO zählt 194 Mitgliedstaaten, zusätzlich ist die Europäische Union (EU) Mitglied. Ihr reguläres Budget beträgt rd. USD 500 Mio./Jahr.

Schwerpunktthemen sind: das Recht auf Nahrung und andere Strategien zur nachhaltigen Ernährungssicherung, die Freiwilligen Leitlinien für die verantwortungsvolle Verwaltung von Boden- und Landnutzungsrechten, Fischgründen und Wäldern (VGGT), Unterstützung nachhaltiger Erzeugung und standortangepasster Produktionsmethoden, Bedeutung der Bioenergie für die Ernährungssicherung, Bekämpfung von Unter- und Mangelernährung, Ernährungssysteme.

Deutschland als Geber: Die Bundesrepublik ist in Bezug auf die Pflichtbeiträge viertgrößter Beitragszahler der FAO mit einem Volumen von rd. USD 29 Mio./Jahr (2020).

Darüber hinaus erhält die FAO jährlich freiwillige Zuwendungen in einer Gesamthöhe von rd. USD 950 Mio.

Auch Deutschland stellt der FAO freiwillige Mittel zur Verfügung: Seit 2002 hat Deutschland 122 Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 150 Mio. Euro über einen Bilateralen Treuhandfonds gefördert (Stand 2022).

Ziel der freiwillig geförderten Projekte ist es, Staaten bei der Sicherung einer qualitativ und quantitativ ausgewogenen Ernährung jedes einzelnen Menschen zu unterstützen.

IFAD

Herausforderung: Der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (engl. „International Fund for Agricultural Development“) ist eine VN-Sonderorganisation mit 177 Mitgliedsstaaten und weltweit die einzige internationale Finanzinstitution, welche ausschließlich das Mandat hat, kleinbäuerliche Landwirtschaft zu fördern.

Seit Gründung 1977/78 wurden insgesamt rd. USD 23 Mrd. zinsgünstige Kredite, Zuschüsse und Beratung an Entwicklungsländer vergeben und dabei USD 31,9 Mrd. in Form von Kofinanzierungen und Eigenbeiträgen der Empfängerländer mobilisiert.

Das Programmportfolio 2019-2021 (= IFAD 11) umfasst USD 3,2 Mrd. Mehr als die Hälfte der Zusagen gehen nach Afrika und 53 % in fragile Staaten.

Für IFAD 12 (2022-2024) wird von einem Programmportfolio in Höhe von USD 3,5-3,8 Mrd ausgegangen. 

Primäres Ziel von IFAD12 ist es, durch einen Fokus auf Investitionen in ländlichen Wohlstand und die Transformation der ländlichen Wirtschaft und Ernährungssysteme, in Ernährung und die Widerstandsfähigkeit der Menschen z.B. gegen die Folgen des Klimawandels, Armut und Hunger zu reduzieren.

Dabei soll gezielt die „letzte Meile“ zur marginalisierten ländlichen Bevölkerung und insbes. Frauen und der jungen Bevölkerung in den Blick genommen werden, um ihnen eine nachhaltige Lebensperspektive zu verschaffen.

Während IFAD 11 (2019-21) haben 128,5 Millionen Menschen Dienstleistungen erhalten oder genutzt, die von IFAD-finanzierten Projekten bereitgestellt wurden (darunter 23,4 Millionen, die Zugang zu Finanzprodukten wie Mikrofinanzkrediten erhalten haben) und wurden bisher 3,2 Millionen Menschen in verbesserten und innovativen Anbaumethoden und -technologien geschult; 16,7 Millionen Hektar Land wurden klimaresilient  bewirtschaftet und 59 Millionen Tonnen CO2 vermieden oder abgesondert; 530.000 ländliche Unternehmen erhielten Zugang zu Wirtschaftsförderung; Frauen und junge Menschen stehen besonders im Fokus. Der Anteil der Nutzerinnen liegt bei 50%.

Schwerpunktthemen: IFAD setzt insgesamt Schwerpunktthemen, die unsere politischen Prioritäten klar unterstützen: Klima, Ernährung, Jugendbeschäftigung im ländlichen Raum und Gender.

Deutschland als Geber: Deutschland ist einer der größten Geber des Fonds. DEU Kernbeitrag IFAD 12 (2022-24): rd. 89 Mio. Euro, zusätzlich Klimamittel (ASAP+), zusammen rd. USD 105,49 Millionen.

Zusätzlich hochvolumiger Förderkredit der KfW an IFAD.

Außerdem sind für die IFAD-12-Periode einzelne Projektkofinanzierungen zu erwarten.

Stand: Juni 2022

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